1200 Spieler*innen, strenge Schiedsrichter und ein harter Kampf um Einspielplätze: So schlug sich Dirk Rösler bei der Altersklassen-Weltmeisterschaft in Spanien

Was als kleines Projekt mit meiner mittelfränkischen Badminton-Meisterschaft 2020 begonnen hatte, gipfelte nun überraschenderweise in meiner Teilnahme an einem Level-1-Turnier – der Altersklassen-Weltmeisterschaft 2021 in Huelva, Spanien. Aufgrund der Pandemie hatten einige Länder ihre Teilnahme am Turnier abgesagt, so dass nun weitere vier Spielerinnen und Spieler je Altersklasse und Land zugelassen wurden. Daher war meine Teilnahme an den World Senior Badminton Championships 2021, so der offizielle Name, ohne eine Qualifikation über die Deutsche Altersklassen-Meisterschaft möglich.

Die Kosten hat jeder Spieler selbst zu tragen. Am 25. November habe ich die Anreise mit dem Flugzeug angetreten. Doch vorher waren zahlreiche Formalitäten zu erledigen: PCR-Test und Impfnachweis waren vorgeschrieben, ein QR-Code für die Einreise nach Spanien musste her. Das Passbild für den Spielerausweis hatte ich rechtzeitig zu senden und eine Verpflichtungsvereinbarung war abzuschließen – und natürlich musste ich auch noch Trikots mit der Aufschrift „Germany“ bestellen. Kein Wunder, wenn es da mal hakt und zum Beispiel der Umlaut im Namen Rösler zum großen Problem wird.

Schafften es bis ins Achtelfinale: Dirk Rösler (rechts) und Doppelpartner Johann Molodet.

Der Inzidenzwert in Huelva war 54. PCR-Test für Spieler und Begleiter war obligatorisch. Im Sportbereich wurde Mund- und Nasenschutz getragen und erst nach dem Münzwurf zum Spiel abgenommen. Wir Spieler waren in definierten Bereichen von bestimmten Hotels untergebracht. Der Transport erfolgte mit zentral organisierten Bussen und Taxen, in denen nur nominierte Spieler zugelassen waren – auch von und zum Flughafen. Der Zutritt zum Sportgelände wurde kontrolliert.

Beim ersten Probetraining im „Palacio de Deporte Carolina Marin“ in Huelva wird dann deutlich, dass der Aufwand für den Ausrichter erheblich ist. Überall begegnet man Offiziellen und Helfern, die dieses Turnier erst möglich machen. Man hat mir gesagt, dass sich 500 Personen um die Koordination der 1200 Spielerinnen und Spieler mit geschätzten 300 Begleitern kümmern. Zusätzlich sind noch circa 30 internationale Schiedsrichter eingesetzt, die zum Großteil eingeflogen werden.

Schnell wird klar, dass die Lichtbänder an der Decke blenden und damit Teil der Spielstrategie sind. Auch ist die Halle eisig kalt – die Spieler mit schwarzen Strumpfhosen im Gepäck haben einen Vorteil. Der Spielkleidung sind in der „General Competition Regulation“ sieben Seiten gewidmet, zum Beispiel muss der Aufdruck der Nationalität, wenn vorhanden, eine Schriftgröße von fünf Zentimeter haben. Die Schiedsrichter kontrollieren dies genauestens an jedem Spieler vor Einlauf in die Halle. Wer die Regeln nicht einhält, muss das Hemdchen umdrehen, also links tragen. Eine vollkommen neutrale Spielkleidung ist nämlich erlaubt.

Das Turner selbst hat am 28. November begonnen und endet am 4. Dezember mit den Finalspielen jeder Disziplin und Altersklasse. Insgesamt gibt es neun Altersklassen (35-39 Jahre, 40-44…70-74, 75+) mit den üblichen fünf Disziplinen. Die Austragung findet auf 13 Spielfeldern statt und wird perfekt über eine Turniersoftware geplant und abgewickelt. Wer kein Smartphone oder kein Tablet hat, ist allerdings verloren.

Dank der Turnier-App ist bereits am Vortag die Uhrzeit des nächsten Spiels bekannt. Zehn Minuten vor Spielbeginn hat man sich einzufinden. Im Vorfeld gibt es einen harten Kampf um Trainingscourts fürs Warmmachen. Wer einen Platz ergattert hat, gibt diesen so schnell nicht mehr auf. Hier wird schnell mal eine Ausnahme vom Fairness-Gebot gemacht.

Der Deutsche Badminton-Verband hatte mich entsprechend meiner Meldung für Herreneinzel O60 (60-64 Jahre alt) und Herrendoppel eingetragen. Im Doppel hat man mich mit Johann Molodet „verheiratet“, einem mehrfach ausgezeichneten Spieler mit reichlich Turniererfahrung. Die Auslosung im KO-System war für mich/uns relativ günstig, da ich/wir erst in der dritten Runde auf einen gesetzten Gegner treffen würden. Im Herreneinzel konnte ich ein Spiel gewinnen und bin dann chancenlos gegen einen sympathischen Niederländer mit einer unglaublichen Ballbeherrschung untergegangen. Im Doppel konnten wir durch Siege über Inder und Franzosen bis ins Achtelfinale vordringen – und sind dann an sehr starken Schweden gescheitert. Insgesamt habe ich also mehr Spiele gewonnen als verloren, eine für mich sehr erfreuliche Bilanz.

Eindrucksvoll ist natürlich der formale Akt des Einlaufens und die Zeremonie am Court mit Ansage in der Halle, und dem vollen Programm mit Schiedsrichter, Aufschlagrichter und zwei Linienrichtern. Eine elektronische Anzeige ist aufgestellt und das Spiel wird per Livestream ins Internet übertragen. Da zittert am Anfang die Hand beim Aufschlag. Nach einiger Zeit bin ich dann routinierter geworden und wusste, wann ich mich wo aufstellen muss – und wurde daher auch nicht mehr vom Schiedsrichter korrigiert und ermahnt.

Vor der Teilnahme an diesem großen Turnier mit international hochklassigen Spielern hatte ich mich schon gefragt, ob ich da nicht deplatziert bin. Die teilnehmenden Spieler haben fast ausnahmslos schon Titel in ihren Ländern gewonnen, trainieren mehrmals in der Woche in leistungsorientierten Vereinen und beteiligen sich häufig an Turnieren. Da sehe ich mich als Ausnahme, weil ich auch anderen Interessen nachgehe. Im direkten Vergleich hat sich nun gezeigt, dass ich bis zu einer gewissen Qualität gut mithalten kann – und dies gibt natürlich Motivation. Für die Zukunft muss eine bessere Rückhand her, der Aufschlag wird bis zur Erschöpfung geübt und das Doppel wird ab sofort schneller und mit anderer Schlägerhaltung gespielt. Und wieder hat sich bewahrheitet, dass man sich durch die Teilnahme an einem Turnier wesentlich verbessert.

Gerade unseren jungen Spielern wünsche ich, dass sie Freude an Turnieren finden und sich nicht durch gelegentliche hohe Niederlagen entmutigen lassen. Im Gegenteil, es sollte ein Anreiz sein, um diese Qualität zu erreichen. Für mich bedeutet dies ein gezieltes Training und die Teilnahme an weiteren Altersklassenturnieren – und vielleicht dann auch mal eine ordentliche Qualifizierung zur Weltmeisterschaft über die nationalen Turniere.

Ich grüße alle, insbesondere die Fans, die meine Spiele vor den Monitoren und mit dem Liveticker verfolgt haben und mir nach meinen Niederlagen Zuspruch gaben 🙂

Dirk Rösler

Wer Dirk und seinen Doppelpartner bei der Weltmeisterschaft spielen sehen möchte, kann dies unter diesem Link tun – ab 3:00:00 geht es los.

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